31.10.2026
Wie hoch sollte dein Notgroschen sein und wo legst du ihn an?
Ein Notgroschen ist das Geld, das zwischen dir und der nächsten Überraschung steht. Wenn die Waschmaschine ausfällt, das Auto in die Werkstatt muss oder das Gehalt einige Monate ausbleibt, verhindert er, dass du Kredite aufnimmst oder Geldanlagen mit Verlust verkaufst. Hier erfährst du, wie du die Höhe bestimmst, wo das Geld liegt und was zuerst kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Reserve deckt unerwartete Ausgaben und Einkommensausfälle ab und ist keine Geldanlage.
- Als Richtwert nennt die Verbraucherzentrale Niedersachsen zwei bis drei Nettogehälter.
- Das Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto, auf das du jederzeit zugreifen kannst.
- Die gesetzliche Einlagensicherung schützt in Deutschland bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank.
- Zuerst kommen teure Schulden und die Reserve, danach die langfristige Geldanlage.
Was ist ein Notgroschen und wofür brauchst du ihn?
Ein Notgroschen ist ein Geldbetrag, den du ausschließlich für unvorhergesehene Ausgaben und Einkommensausfälle zurücklegst. Er ist jederzeit verfügbar und schwankt nicht im Wert. Damit unterscheidet er sich von Geld, das du langfristig anlegst und das zwischenzeitlich im Wert fallen darf.
Typische Fälle sind Reparaturen, hohe Nachzahlungen, ein unerwarteter Jobverlust oder eine längere Krankheit ohne volles Gehalt. Ohne Reserve musst du in solchen Momenten Kredite aufnehmen oder Anlagen verkaufen, und zwar manchmal genau dann, wenn ihre Kurse gerade gefallen sind.
Er ist deshalb kein Investment und soll keine Rendite erwirtschaften. Seine Aufgabe ist Sicherheit. Ob das Geld im Zweifel in zwei Tagen auf deinem Girokonto liegt, ist wichtiger als ein halber Prozentpunkt Zinsen mehr.
Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?
Als Richtwert gelten zwei bis drei Nettogehälter. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt in ihren Tipps zu Geldanlage und Altersvorsorge für Singles etwa 5.000 Euro und für Familienhaushalte etwa 10.000 Euro. Der genaue Betrag hängt von deinen Fixkosten und der Sicherheit deines Einkommens ab.
Die Rechnung für dich ist einfach: Du multiplizierst dein monatliches Nettoeinkommen mit zwei oder drei. Bei 2.800 Euro netto ergibt das 5.600 bis 8.400 Euro. Welche Summe zu dir passt, hängt aber von deiner Lage ab.
- Single mit sicherem Job: Der untere Wert reicht oft, weil du nur für dich sorgst und schnell eine neue Stelle findest.
- Familie mit einem Verdiener: Plane mit dem oberen Wert oder darüber, denn mehrere Personen hängen am Einkommen.
- Selbstständige: Deine Einnahmen schwanken stärker, deshalb ist eine größere Reserve sinnvoll.
- Eigentümer von Wohnung oder Haus: Hier kommen Reparaturen dazu, die plötzlich hohe Summen kosten können.
Diese Einordnung ist eine Orientierung. Den passenden Betrag bestimmst du anhand deiner festen Kosten und deiner Absicherung, etwa durch Rücklagen oder Versicherungen.
Wo legst du deinen Notgroschen am besten an?
Du legst ihn auf einem Tagesgeldkonto an. Dort ist das Geld täglich verfügbar, verliert nicht an Wert durch Kursschwankungen und wird durch die Einlagensicherung geschützt. Eine Verzinsung ist willkommen, aber nachrangig. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt das Tagesgeld ausdrücklich als Ort für die Reserve.
Wichtig ist die Sicherheit der Bank. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt laut der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken in Deutschland Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. In besonderen Fällen gilt für sechs Monate eine höhere Grenze von 500.000 Euro. Im Entschädigungsfall wird innerhalb von sieben Arbeitstagen ausgezahlt.
Mit wenigen tausend Euro liegst du damit deutlich unter der Grenze. Aktien, Fonds oder Kryptowerte eignen sich für diesen Zweck nicht, weil ihr Wert genau dann sinken kann, wenn du das Geld brauchst. Auch Festgeld mit langer Laufzeit passt nicht, weil du nicht jederzeit darankommst.
Beim Anlegen zählt also nicht der höchste Zins, sondern ein Konto bei einer sicheren Bank mit täglichem Zugriff.
Was kommt zuerst, Notgroschen oder Geldanlage?
Zuerst kommen teure Schulden, dann der Notgroschen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschreibt im magischen Dreieck der Geldanlage, dass du Schulden tilgst und eine Liquiditätsreserve bildest, bevor du Geld anlegst. Erst danach lohnt es sich, langfristig zu investieren, weil ein Rückschlag dann nicht sofort dein Budget sprengt.
Der Grund liegt auf der Hand. Wer investiert, ohne eine Reserve zu haben, muss bei der ersten größeren Ausgabe Anlagen verkaufen, oft mit Verlust. Die Reserve schützt also auch deine langfristige Geldanlage.
Praktisch heißt das: Tilge Kredite mit hohen Zinsen, baue die Reserve auf und richte erst danach einen Sparplan für langfristige Anlagen ein. Wie dieser nächste Schritt aussieht, erklären wir im Beitrag Geld anlegen als Anfänger. Und wenn du größer denkst, lohnt der Blick auf den Weg zur finanziellen Freiheit.
Wer nur wenig Geld übrig hat, muss nicht warten, bis die ganze Reserve steht. Du kannst in kleinen Schritten beginnen, solltest die Reserve aber als ersten festen Posten behandeln.
Wie baust du deinen Notgroschen auf?
Du baust ihn am besten mit einem Dauerauftrag auf, der gleich nach dem Gehaltseingang auf das Tagesgeldkonto läuft. So sparst du automatisch und brauchst dafür keine Willenskraft. Schon kleine Beträge führen nach einigen Monaten zu einer spürbaren Reserve, wenn du sie nicht unterbrichst.
Leg zuerst ein Teilziel fest, zum Beispiel einen Nettomonat, und erhöhe es später auf das volle Ziel. Trenne das Konto bewusst vom Girokonto, damit du nicht aus Versehen darauf zugreifst.
Greife nur bei echten Notfällen auf die Reserve zurück: unerwartete Reparaturen, Einkommensausfall, dringende Rechnungen. Der Urlaub oder ein neues Handy gehören nicht dazu. Hast du Geld entnommen, füllst du die Reserve vor allen anderen Sparzielen wieder auf.
Prüfe außerdem einmal im Jahr, ob der Betrag noch passt. Steigt dein Gehalt, wächst auch die Summe, die du zurücklegen solltest.
Über den Autor:
Matthias Östreicher
Unternehmer
Matthias ist seit 30 Jahren in der Finanzbranche tätig und kennt daher beide Seiten: die des Beraters und die des Kunden. Er weiß, wie verwirrend, undurchsichtig und umfangreich das Thema Geld sein kann.